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Dresden, 27.04.2007

Kommentar:

Kostensteigerungen während einer Bauphase sind nichts Ungewöhnliches und oft nicht vorhersehbar, wie z. B. die Entwicklungen der Stahlpreise zeigen. Im Fall der Dresdner Eishalle das Dilemma auf die "Planungsprobleme und mangelhafte Projektsteuerung" zu schieben, ist nur die halbe Wahrheit. Das Problem liegt tiefer und ist hausgemacht.

Der Dresdner Stadtrat hat 2003 entschieden, den Ersatz der maroden Eissporthalle mit der Zuhilfenahme von "Flutmitteln" in kommunaler Eigenregie vorzunehmen und nach Fertigstellung auch durch eine kommunale Gesellschaft zu betreiben. Als Bauherr und künftiger Betreiber hat die Stadt alle damit verbundenen Risiken übernommen und eine privatwirtschaftliche Lösung abgelehnt - mit den bekannten Folgen in der Ausschreibungs- und Bauphase und den damit verbundenen Kosten treibenden zeitlichen Verzögerungen.

Eine andere Lösung wäre möglich gewesen. Am 17.02.2003 hat die Sächsische Staatskanzlei in einem Schreiben mitgeteilt, dass die in Rede stehenden Flutmittel für den Ersatzbau durch ein Investorenkonzept hätten in Anspruch genommen werden können.

Zitat: "Zugleich ist es aber auch möglich, dass die Landeshauptstadt Dresden ein von ihr zu bestimmendes Investorenkonzept wählt, bei dem die ermittelten Kosten für den Ersatzneubau als Baukostenzuschuss eingesetzt werden. In einem solchen Fall könnte auch eine größere Lösung in Betracht kommen, wobei freilich private Partner die Errichtung und das Betriebsrisikos übernehmen müssten. Investorenkonzepte sollten dabei auf jeden Fall vorsehen, dass der Eigentümer der Anlagen, in diesem Fall also die Landeshauptstadt Dresden, von künftigen Verpflichtungen aus dem Betrieb der Anlage freigestellt wird und eine kommunale Nutzung in zu vereinbarendem Umfang möglich bleibt." Zitatende

Zu diesem Zeitpunkt erfüllte ein Zusammenschluss von Baukonzern, Finanzierungsinstitut, Stadtwerke, Architekt, Projektentwickler und einer international agierenden Betreibergesellschaft hinreichend die Bedingungen. In mehreren Erklärungen wurde der Stadt glaubhaft versichert, dass sie von allen Risiken freigestellt wird. Am 13.03.2003 hatte die Betreibergesellschaft in einem Schreiben an die Stadt diese Position untermauert und "die Übernahme eines gegebenenfalls jährlich anfallenden Betriebsverlustes lt. Betreibervertrag und deren Verrechnung in den Folgejahren" bekräftigt.

Die Entscheidung der Stadt, ausschließlich auf die Verwendung von Steuergeldern zu setzen, bleibt nicht ohne Folgen. Schon jetzt wird kolportiert, dass der Betrieb des Eissport- und Ballspielzentrums einen jährlichen städtischen Zuschuss von einer Million Euro erfordert. Auch hier sind Zweifel angebracht.

Eines der wesentlichen Argumente, das gegen den Bau der Arena Dresden vorgebracht wurde, sei die Konkurrenz zur Messehalle 1, die die Stadt als Veranstaltungshalle ausgebaut hat. Nun verkündet der künftige kommunale Betreiber der neuen Eissporthalle, dass man mit Konzerten und Events Erlöse zur Minderung der Betriebskosten erzielen wolle. Da das Marktsegment mit Veranstaltungen für 3.000 bis 6.000 Zuschauer in Dresden nicht reich gesegnet und eine Zunahme der Veranstaltungen nicht zu erwarten ist, wird es zu einer direkten Konkurrenz zwischen (kommunaler) Messehalle 1 und (kommunaler) Eissporthalle kommen. Mehreinnahmen sind hier nicht zu erwarten, Defizite werden nur anders verteilt.

Auch hier hat es 2003 ein ernsthaftes Angebot für eine kostengünstigere Lösung gegeben: die Bündelung des Veranstaltungssegmentes von Messe, Kulturpalast und Arena unter einer Betreibergesellschaft. Wie so eine Konstruktion funktionieren kann, zeigt Stuttgart mit der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG. Diese Gesellschaft betreibt u. a. die Porsche-Arena mit bis zu 7.500 Plätzen und 20 Logen. Kosten der Porsche Arena: 28 Mio. Euro!

Ralf Rau

Jahresrückblick 2003, 31.12.2003

Ein volles Jahr Berichte, Meinungen, Kommentare und Nachrichten aus der Welt der Arenen und Stadien. Insgesamt 791 Beiträge berichten von der Freude bei der Eröffnung einer Arena, von dem Spaß am groundblasting als neuester Trend oder aber auch von der Betroffenheit beim Scheitern eines Projektes - arena news eben.

Dabei waren wir gedanklich zu Gast in Neuseeland, Tschechien, Österreich, Australien, Schweiz, England, Nigeria, Schottland, Litauen, Wales, USA, Lettland, Irland, Canada, Polen, Schweden, Dänemark und in unseren Bundesländern. Wenn es möglich ist, wird der Bericht mit einer Info-Box ergänzt, die Hintergrundinformationen oder einfach Wissenswertes aus der Stadt oder dem Land enthält, in der wir news-Gast sind.

Die internationale Resonanz auf diese doch sehr spezialisierte Seite ist erfreulich. Unsere Leser kommen aus fast allen Ländern, über die arena news berichtet. Außerdem begrüßt arena news Interessierte aus Südkorea, Finnland, Kroatien und Japan. Für unsere Leser haben wir ab sofort unser Gästebuch als Plattform für einen Meinungsaustausch eröffnet.

Das kommende Jahr wird nicht minder interessant. Schafft es Prag, die Sazka Arena zur WM fertig zu stellen? Bekommt Frankfurt/Main seinen Superdome, Dresden ein neues Rudolf-Harbig-Stadion oder Stuttgart die Bosch-Halle? Einigt man sich in Sacramento und in Pittsburgh über die Finanzierung der neuen Arenen? Und was passiert in Berlin mit der Anschutz Arena? Welche Projekte setzen sich in Polen durch?

Was wird sich bei arena news ändern? Das Gästebuch ist eröffnet, ein Forum wird hinzukommen. Soweit es möglich ist, soll die Tagesaktualität erhalten bleiben. In den nächsten Monaten wird die Meinungsseite um- und ausgebaut. Hier werden Finanzierungs- und Betreibermodelle vorgestellt und kritisch hinterfragt sowie auf mögliche Steuerverschwendungen oder auf bauliche Fehlentscheidungen hingewiesen. Die Geschichte der Arena Dresden wird um weitere Kapitel ergänzt.

arena news ist ein Treffpunkt für viele Fachleute. Im Archiv lagern Erfahrungen, die genutzt werden können. Unternehmer, Projektentwickler, Sportvereine und Kommunen suchen nach Lösungen. arena news kann sie zusammenbringen. arena news knüpft Kontakte.

arena news wünscht allen Lesern ein erfolgreiches neues Jahr 2004!
Happy New Year 2004 to all our friends!
Peace, freedom and friendship!

Ralf Rau


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Des Moines, Iowa, USA, 22.06.2003 Wochenend-Betrachtung

Des Moines ist die Hauptstadt des Bundesstaates Iowa. Iowa liegt fast genau in der Mitte der USA, umgeben von Illinois, Missouri, Kansas, Nebraska, South Dakota, Minnesota und Wisconsin. Des Moines hat 200.000 Einwohner. Diese Stadt baut sich ein Event Center für 217 Millionen Dollar, deren Zentrum die Wells Fargo Arena für 17.000 Zuschauer bildet. Finanziert wird das Center aus dem Hauptfonds des Vision Iowa Program.

In Jacksonville wird am 18. November die neue 16.000er Arena eröffnet, Cape Coral, Portland, Peoria, Baltimore, Charlotte, Toledo, Tulsa und vielen anderen kleinen und mittleren Städten der USA passiert ähnliches. Fast allen Projekten ist eines gemeinsam: Sie werden entweder aus einer lokalen Sondersteuer oder aus einem staatlichen Fonds zur Ankurbelung des Tourismus ganz oder teilweise finanziert.

Womit wir beim Kern wären: Keiner in den USA rechnet sich mit einer Arena reich oder sieht in einer Arena ein unmittelbares lukratives Renditeobjekt. Eine Arena in Amerika ist meist ein Instrument zur direkten lokal begrenzten Wirtschaftsbelebung. Hier sind die Amerikaner mittlerweile sehr konsequent geworden, sie siedeln ihre neuen Arenen mitten in ihren Stadtzentren, also down town, an. Die Architekten werden aufgefordert, in die Straßenfronten der Arenen Café´s, Shops, Restaurants und Büros zu implementieren und so der Umgebung des Stadtzentrums anzupassen. Das zum Schmunzeln anregende Beispiel eines Biergarten mit 1.000 Plätzen neben einer Arena macht Schule in den USA. Nach jedem Basketball-Spiel verkauft der Wirt Bier für 11.000 Dollar. Aber nicht nur das. In und im Umfeld einer Arena entstehen durchschnittlich 1.500 Arbeitsplätze. "Nationwide Arena is fast becoming a cornerstone to an urban redevelopment project." schreibt die Pittsburgh Tribune.

Die reinen Sportzentren mit ihren riesigen Parkplätzen auf der grünen Wiese haben - so der äußere Eindruck - ausgedient. Meadowlands Sport Complex und die jüngste Diskussion um den Umzug zweier Sportklubs nach down town Newark ist ein Indiz dafür.

Seit 1993 wurden im Umfeld der NHL 23 Arenen neu gebaut. Die Arenen waren Teil einer Hochkonjunktur im Baugewerbe, denn 4,6 Milliarden Dollar wurden eigens hierfür verbaut. Derzeit rechne man mit einer Fortsetzung dieses Booms, der jetzt auch auf die Innenstädte übergreift. Die Bedingungen sind günstig wie nie. Zum einen sind die Zinsen für Kredite auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. Zum anderen verkaufen sich entgegen der wirtschaftlichen konjunkturellen Situation im Land die Logen und Suiten der Arenen vorzüglich. Der Verkauf von Namensrechten erzielt neue Rekordsummen. Derzeit steht der Rekord bei $300 Mio. auf 30 Jahre in Houston, Texas. Dies wird gesondert zu betrachten sein.

Dieser Trend wird sich auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Europa durchsetzen. Erste Ansätze sind zu beobachten, wenn auch importiert. Gigantisch und bahnbrechend natürlich ein Amerikaner in London und Berlin. Philip Anschutz baut mit seinen Gesellschaften in London und Berlin little down town selbst und setzt eine Arena in die Mitte. In London wird der Millenium Dome umbaut und umgebaut. In Berlin bekommt der Stadtbezirk Friedrichshain eine neue Mitte und wird sofort von anderen Firmen gestürmt. Universal ist schon da, MTV kommt demnächst.

Und die Provinz? Die muß sich selber helfen, scheint es. Aber hier gibt es kreative Lösungen und Beispiele. Sogar in Deutschland.

*********** Fortsetzung folgt *********** © arena-news.com

Thema Arena und noch mehr: Hier das "Spiegel"-Interview von Michael Brill, Geschäftsführer der SMG Entertainment Deutschland GmbH, Oberhausen.

Ein weiterer erfahrener Hallenchef meldet sich zu Wort und ist hier zu lesen: Klaus-Dieter Heldmann, Schleyer-Halle Stuttgart.

Bilanz 2002 und Ausblick 2003

Arena Leipzig, St. Jakob Arena Basel, Knorr-Arena Heilbronn und Color Line Arena Hamburg - das waren die Schlagzeilen über die Eröffnungen im Jahr 2002. Gebaut wird nun in Ingolstadt, Bad Tölz, Düsseldorf und bald auch in Mannheim und Berlin. Geplant wird in Stuttgart, Essen, Augsburg, Krefeld, Wolfsburg und Frankfurt/Main. Neue Arenen funktionieren schon in Oberhausen (die erste private Arena in Deutschland), Köln, Regensburg, Hannover und Nürnberg. Bremen erweitert seine Stadthalle auf 14.000 Besucherplätze.

Und Dresden?

Dieser Boom kommt nicht von ungefähr. "Sport plus Show gleich Erlebnis" , denn "Die Halle ist der Star" titelt heute das Hamburger Abendblatt und freut sich über 100.000 Besucher beim Eishockey und 30.000 Besucher beim Handball - nach 2 Monaten!!! Auch in Hamburg mußten erst die üblichen Bedenkenträger von der Richtigkeit einer neuen Arena überzeugt werden. Alles weitere hier...

Und Dresden?

Die neuen großen Arenen bieten die Rahmenbedingungen, unter denen moderner Sport finanzierbar wird: Exzellenter Besucherservice für die ganze Familie, hohe technische Ausstattung für TV-gerechte Berichterstattung, eine erweiterte Marketingpalette für Sponsoring auf höchstem Niveau und Mannigfaltigkeit des Angebots bei professionellem Management. Alles bedingt einander und zahlt sich letztlich für die Arena und für die Kommunen aus. Darum haben diese Kommunen diese unterschiedlichen Investitionen unterstützt und werden diese Unterstützung auch weiter fortführen.

Und Dresden?

Einzelne Verantwortliche der Stadtverwaltung werben derzeit bei den Stadträten für eine neue Eishalle mit ca. 2.000 Besucherplätzen, die man aus sogenannten "Flutgeldern" bauen wolle. Über Fehlentscheidungen zu "Eventimmobilien" in Dresden ist hinreichend berichtet worden. Die jüngste Entwicklung nennen wir unverantwortlich. Nicht nur, daß diese Halle veranstaltungstechnisch nicht zu gebrauchen ist, sie ist betriebswirtschaftlich betrachtet ein Unding. Schlimmer wiegt allerdings, daß dem Eishockeysport in Dresden die Zukunft "verbaut" wird - ungeachtet der aktuellen sportlichen Ergebnisse. Dem Eishockey als teurer Mannschaftssport wird mit einer solchen Halle die wirtschaftliche Grundlage für die Zukunft entzogen. Lassen wir mal außer acht, daß höherklassiges Eishockey mindestens 4.500 Besucherplätze bedingt.

Für Dresden! Was sonst!

Das Arena Dresden Team wird an seinem Ziel festhalten, eine Arena plus Trainingseishalle in Dresden zu bauen und betreiben. Dafür stehen starke Partner mit SMG Entertainment Corp., WGZ-Bank, Walter Group und DREWAG mit ihrem Engagement. Wir gehen optimistisch in das neue Jahr. Wir sind zuversichtlich, daß die schon erarbeiteten Verträge und Bescheide sinnvoll umgesetzt werden. Wie hieß es doch in Hamburg: Auch hier gab es Bedenkenträger. Heute freut sich ganz Hamburg. Auch das Stadtsäckel und die Hotellerie. In Dresden wird es einst nicht anders sein........

Wir wünschen allen Dresdnerinnen und Dresdnern einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2003.

Ralf Rau
ARENA Dresden Team

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